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Jan
19
2017

Crowdfinanzierung im Spannungsfeld von Aufsichtsrecht, Verbraucherschutz und Unternehmensfinanzierung

Crowdfinanzierung ist ein aktueller Trend in der Unternehmensfinanzierung. Das Kleinanlegerschutzgesetz will Regeln des Aufsichtsrechts für diese Art der Finanzierung einführen. Der nachfolgende Beitrag gibt einen Überlick über die Zusammenhänge von Aufsichtsrecht, Anlegerschutz und Startup-Finanzierung.

Der graue Kapitalmarkt soll weißer werden. Das Kleinanlegerschutzgesetz will Anleger mit neuen Transparenzregeln und mehr Informationen in die Lage versetzen, die Risiken von Vermögensanlagen besser einzuschätzen. Es geht um die Neuregelung des Aufsichtsrechts, über das die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) wacht.

Zu den zentralen Themen im aktuellen Gesetzesentwurf gehören eine Konkretisierung und Erweiterung der Prospektpflicht sowie umfassendere Informationspflichten. Außerdem soll es eine Mindestlaufzeit für bestimmte Finanzprodukte und einen Product-Governance-Prozess geben. Auch werden die Werbemöglichkeiten für Vermögensanlagen zum Schutz von Anlegern eingeschränkt.  Besonders Kontrovers wird die Debatte um das Kleinanlegerschutzgesetz beim Crowdinvesting bzw. der Crowdfinanzierung geführt. Plattformen wie Seedmatch oder auch Startnext bringen Startups, Projekte etc. im Internet mit einer Vielzahl von Anlegern zusammen, die bereit sind, kleinere Summen z.B. in ein Unternehmen oder einen guten Zweck zu investieren.

Da die Crowdfinanzierung häufig über Nachrangdarlehen läuft, die ebenfalls dem grauen Kapitalmarkt zugeordnet werden können, droht ein höherer Anlegerschutz zur Bremse für die weitere Entwicklung dieser Finanzierungsform für Startups zu werden. Damit das nicht so wird soll das Crowdfunding in Form des Crowdinvesting unter bestimmten Voraussetzungen von der Prospektpflicht ausgenommen bleiben. Diese soll nicht für Nachrangdarlehen und partiarische Darlehen gelten, mit denen ein Startup über eine Crowd-Plattform im Internet nicht mehr als eine Millionen Euro einnimmt und Anleger ohne weitere Auskünfte nicht mehr als 1.000 Euro anlegen können. Investoren, die mehr als 1.000 Euro anlegen wollen, müssen per Selbstauskunft entsprechende Einnahmen oder Vermögenswerte nachweisen. Alle Anleger ab 250 Euro müssen ein sogenanntes Vermögensanlagen-Informationsblatt unterschreiben. Wie häufig prallt hier das Aufsichtsrecht und der Verbraucherschutz auf Wirtschaftsinteressen. Die genannten Regeln sind Vertretern aus der Wirtschaft zu streng. Insbesondere wird gefordert, die Möglichkeit der Prospektfreiheit auch auf Projekte jenseits von einer Millionen Euro auszudehnen.

Die Crowdfinanzierung gehört zu den Instrumenten der alternativen Unternehmensfinanzierung. Der Trend bei der deutschen Mittelstandsfinanzierung zeigt klar weg vom Bankkredit – trotz historisch niedriger Zinsen. Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren vor allem Formen der Eigenkapitalfinanzierung und das Mezzanine-Kapital mit Elementen aus Fremd- und Eigenkapital für sich entdeckt. Hierzu gehören z.B. stille Beteiligungen und Genussscheine. Aber auch bei der Unternehmensfinanzierung mit Fremdkapital gibt es mit Schuldscheindarlehen und Mittelstandsanleihen Alternativen zum klassischen Bankdarlehen.

Weitere Informationen finden Sie hier: Aufsichtsrecht, Unternehmensfinanzierung

 

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Letzte Aktualisierung: 22.09.2017 - 23:00