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Jul
17
2017

Das Ehegattentestament – 5 Fragen und Antworten

Verheiratete Paare haben nach deutschem Erbrecht die Möglichkeit, ihren letzten Willen gemeinschaftlich aufzusetzen. Beim sogenannten „Berliner Testament“ – dem beliebtesten Ehegattentestament – ist aus rechtlicher Sicht einiges zu beachten. Nachfolgend die wichtigsten Fragen und Antworten aus der Beratung aus Sicht eines Fachanwalts für Erbrecht.

  1. Dürfen alle Paare ein gemeinschaftliches Testament errichten? Die Form des gemeinschaftlichen Testaments steht nur Ehepaaren und eingetragenen Lebenspartnern offen. Nichteheliche Lebensgemeinschaften bzw. Lebensgefährten haben dagegen keine Möglichkeit, gemeinsam eine letztwillige Verfügung zu errichten.
  2. Was ist die Besonderheit des Ehegattentestaments? Gemeinschaftliche Testamente können Bindungswirkung entfalten. Das betrifft die sogenannten wechselbezüglichen Verfügungen, also solche die der eine Ehegatte nur deswegen trifft, weil der andere sich entsprechend verpflichtet. Das trifft zum Beispiel auf die Gegenseitige Einsetzung zum Alleinerben zu. Solche Verfügungen können einseitig zu Lebzeiten nur durch einen notariell beurkundeten und dem anderen zugestellten Widerruf aus der Welt geschafft werden. Nach dem Tod des Erstversterbenden kann eine wechselbezügliche Verfügung – zum Beispiel zugunsten gemeinsamer Kinder als Schlusserben – gar nicht mehr widerrufen werden.
  3. Was ist ein Berliner Testament? Unter einem Berliner Testament versteht man heute vor allem eine letztwillige Verfügung von Ehegatten, die sich gegenseitig als alleinige (unbeschränkte) Vollerben und ihre gemeinsamen Kinder zu Schlusserben einsetzen.
  4. Welche Auswirkungen hat ein Berliner Testament auf die Pflichtteile der Kinder? Durch die gegenseitige Einsetzung zum Alleinerben im ersten Erbfall, werden die Kinder zunächst enterbt. Als nahe Angehörige steht ihnen jedoch ein Pflichtteil in Höhe ihres gesetzlichen Erbteils zu. Damit sie diesen nicht geltend machen, kann man  Pflichtteilsstrafklauseln in das Testament aufnehmen. Volle Planungssicherheit bringt aber nur der Pflichtteilsverzicht zu Lebzeiten
  5. Wie sind Ehegattentestamente aus steuerlicher Sicht zu bewerten? Dadurch, dass die Kinder in den meisten Ehegattentestamenten zunächst leer ausgehen, verschenkt man im ersten Erbfall auch deren Freibeträge für die Erbschaftsteuer. Bei größeren Nachlässen kann das dazu führen, dass Erbschaftsteuer anfällt. Das Problem kann dadurch gelöst oder entschärft werden, dass man den Kindern für den ersten Erbfall bereits ein Vermächtnis zuwendet. Das hat – im Vergleich zur Gewährung einer Erbquote – den Vorteil, dass keine konfliktträchtige Erbengemeinschaft entsteht.

Ehegattentestamente wie das Berliner Testament bergen also sowohl aus rechtlicher als auch aus steuerlicher Sicht einige Probleme, derer man sich bei der Gestaltung annehmen sollte.

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite der Erbrechtskanzlei ROSE & PARTNER LLP

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Letzte Aktualisierung: 22.09.2017 - 23:00