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Okt
05
2017

Der Pflichtteilsanspruch – Wie plane ich das Enterben

Das Regeln des Nachlasses wirft zumeist Schwierigkeiten auf. Besonders, wenn man nahe Verwandte von der Erbfolge ausschließen möchte.

Ich entscheide über mein Vermögen

Über mein Vermögen darf ich auch nach meinem Ableben bestimmen. Das gebietet mir die Testierfreiheit. Manchmal kommt es beim Testieren nicht so sehr darauf an, wer etwas erben soll, sondern vielmehr darauf, wer nichts erben soll. Zum Beispiel dann, wenn der Erblasser aufgrund von schwerwiegenden Verfehlungen seiner nahen Verwandten enterben möchte. Dies kann er ganz einfach, in dem er diesen Wunsch in einem einzigen Satz in sein Testament schreibt.

Enterbung – und jetzt?

Enterbung bedeutet jedoch nicht automatisch, dass der Enterbte leer ausgeht. Ist er ein Pflichtteilsberechtigter im Sinne des § 2303 BGB, so steht ihm weiterhin der Pflichtteil zu.

Pflichtteilsberechtigte sind in erster Linie der Ehegatte und die Abkömmlinge des Erblassers. Eltern oder Enkelkinder können nur unter bestimmten Voraussetzungen zu Pflichtteilsberechtigten werden. So werden die Eltern des Verstorbenen nur dann Berechtigte, wenn der Erblasser selbst keine Kinder hatte. Die Enkelkinder können nur dann pflichtteilsberechtigt sein, wenn deren Mutter bzw. Vater als Bindeglied zum Erblasser bereits verstorben ist.

Andere Personen wie beispielsweise enge Freunde, Lebensgefährten, Geschwister oder Schwiegerkinder sind keine Pflichtteilsberechtigten.

Ansprüche der Pflichtteilsberechtigten

Der Pflichtteil besteht aus der Hälfte des gesetzlichen Erbes. Diesen Anspruch kann der Pflichtteilsberechtigte gegen die Erben geltend machen, die diesen als Geldleistung auszuzahlen haben.

Pflichtteilsentziehung oder –reduzierung

Der Erblasser kann den Pflichtteil in wenigen Fällen entziehen und teilweise, zum Beispiel durch Schenkungen zu Lebzeiten, reduzieren.

Eine Entziehung ist nur in den seltensten Fällen möglich und bedarf einem besonderen Entziehungsgrund sowie einer Entziehungserklärung. Weiterhin darf keine Verzeihung vorliegen. Da die Erben die Beweislast für die Entziehung tragen, ist es hier ratsam, dass der Erblasser ordentlich vorgeht und die Beweisführung durch eine sorgfältige letztwillige Verfügung erleichtert.

Einfacher ist eine Pflichtteilsreduzierung durch Schenkungen zu Lebzeiten. Hierbei werden zwischen der Schenkung und dem Todesfall 10 Prozent des Schenkungswertes pro Jahr weniger für den pflichtteilsrelevanten Nachlass berücksichtigt. Nach 10 Jahren findet die Schenkung für den Pflichtteilsinhaber also keine Berücksichtigung mehr.

Kein Pflichtteilsanspruch bei Verzicht

Der sicherste Weg, um einen Pflichtteil zu umgehen ist, den Pflichtteilsberechtigten zu einem Pflichtteilsverzicht zu bewegen. Dies wird höchstwahrscheinlich in den meisten Fällen jedoch nur gegen Zahlung eines Ausgleichs möglich sein. Ein Pflichtteilsverzicht muss notariell beglaubigt werden.

Mehr zum Thema Enterben: https://www.rosepartner.de/rechtsberatung/erbrecht-nachfolge/erbrecht-erbschaft-testament/pflichtteil-enterbung-beratung-und-vertretung.html

 

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Letzte Aktualisierung: 20.11.2017 - 13:55