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Aug
10
2017

Fachanwälte vs. Selbsternannte „Spezialisten“

Der Weg zum amtlich verliehenen Fachanwaltstitel ist häufig schwierig und sehr lang. Einige Rechtsanwälte versuchen daher sich diese Strapazen zu ersparen und bezeichnen sich lieber als „Spezialist“ oder „Experte“ auf einem bestimmten Rechtsgebiet. Dem Rechtssuchenden fällt eine Unterscheidung oft schwer.

Der lange Weg zum Fachanwaltstitel

Der Fachanwaltstitel wird erst mit Nachweis besonderer Kenntnisse und praktischer Erfahrung in einem Rechtsgebiet verliehen. Der Weg zum Fachanwaltstitel ist also häufig lang und beschwerlich. Trotzdem hält der Gesetzgeber daran fest, um eine besondere Qualifikation der Fachanwälte zu gewährleisten.

Umso lauter war die Kritik bezüglich der bisherigen Rechtsprechungspraxis des Bundesgerichtshofs. Nach einer Entscheidung aus dem Jahr 2014 treffe einem selbsternannten „Spezialisten“ zwar auch eine Darlegungs- und Beweislast hinsichtlich seiner besonderen fachlichen Qualifikationen. Dennoch sei aber ein, dem Fachanwalt entsprechender, Kenntnisstand ausreichend. Zwar sahen die Richter auch die Gefahr einer Täuschung der Rechtssuchenden, trotzdem bestehe kein Anlass einem Rechtsanwalt die Führung der „Spezialisten-Bezeichnung“ zu untersagen.

Der Entscheidung liegt die Auffassung zugrunde, dass ein durchschnittlicher Rechtssuchender die Begriffe „Fachanwalt“ und „Spezialist“ als Synonym versteht. Wer sich also als „Spezialist“ bezeichne und über die gleichen Kenntnisse wie ein Fachanwalt verfüge, der wecke keine unrichtigen Erwartungen.

Neue Entscheidung beim BGH

Nach einer neuen Entscheidung des BGH aus dem vergangenen Jahr sei es aber nicht zulässig, sowohl einen amtlich verliehenen Fachanwaltstitel zu tragen und zusätzlich sich noch als „Spezialist“ auf demselben Reichsgebiet zu präsentieren.

In dem zugrunde gelegten Rechtsstreit hatte sich der zugelassene Fachanwalt für Erb- und Steuerrecht zusätzlich die Bezeichnung „Spezialist für Erbrecht und Erbschaftssteuer“ verliehen.
Die Richter betonten noch einmal, dass auch an einen selbsternannten Spezialisten erhöhte Anforderungen hinsichtlich Erfahrung und Fachkenntnis zu stellen seien.

Außerdem sei der vorliegende Fall aber deshalb anders gelagert, als dass der Anwalt beide Begriffe für eigene Werbezwecke genutzt hatte.
Er benutze demnach die genannten Begriffe nicht als Synonym, sondern bringt nach Ansicht der Richter damit zum Ausdruck, dass seine Kenntnisse und praktischen Erfahrungen diejenigen eines „Nur-Fachanwalts“ überstiegen. Dies stuften die Richter als berufswidriges Verhalten ein.

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Letzte Aktualisierung: 23.06.2018 - 14:23